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Welthungertag 2015 – Ein Blick auf die aktuelle Situation

Trotz positiver Entwicklungen ist das UN Milleniumsziel verfehlt, die Zahl der hungernden Menschen auf 500 Millionen bis 2015 zu senken

Der Welternährungstag oder Welthungertag findet jedes Jahr am 16. Oktober statt und soll darauf aufmerksam machen, dass weltweit viele Millionen Menschen Hunger leiden. Dem Welthungerbericht der Vereinten Nationen zufolge ist die Zahl der Hungernden weltweit im Vergleich zum Bevölkerungswachstum gesunken, aber noch immer haben knapp 800 Millionen Menschen nicht genug zu essen und gelten als unterernährt.

Hunger bleibt ein weltweites Problem

Die Welthungerhilfe weist im kürzlich veröffentlichen Welthunger-Index (WHI)* darauf hin, dass der Hunger seit dem Jahr 2000 kontinuierlich abgenommen hat, und zwar insgesamt um 27 Prozent. Dennoch sind die Hungerwerte in 52 der 104 gelisteten Ländern als „sehr ernst“ oder „ernst“ einzustufen. Der Großteil der acht Länder mit „sehr ernsten“ WHI-Werten liegt in Afrika südlich der Sahara. Besonders die Unterernährung, bei der zu wenig Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen werden, um ein gesundes Leben zu führen, betrifft nach Schätzungen der Hilfsorganisation Welthungerhilfe mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit. Auch in Kenia leiden hunderttausende Menschen an Hunger und Unterernährung – dem sogenannten verborgenen Hunger sowie an mangelndem Zugang zu sauberem Wasser. Das Land befindet sich aktuell auf Rang 67 des WHI-Index, 21 Prozent der Bevölkerung gelten als unterernährt, die Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren beträgt noch über 7 Prozent.

Ursachen des Hungers

Je nach Land und Region sind Ursachen für Hunger und Unterernährung sehr unterschiedlich und besonders in Konfliktregionen hat die dortige Bevölkerung mit Extremsituationen zu kämpfen. Kenia blieb bislang von Krieg weitestgehend verschont, obwohl sich Anschläge im Land und militärische Interventionen an den Grenzen zu den Nachbarländern Somalia und Äthiopien häufen, nicht zuletzt vermehrt seit dem Einmarsch Kenias in Somalia 2011. In Kenia ist sicherlich die Armut der vor allem ländlichen Bevölkerung eine der Hauptursachen für Hunger und Unterernährung. Dazu kommen relativ hohe HIV-Raten, wenngleich auch diese mittlerweile rückläufig sind. Die Provinz Nyanza im Westen Kenias – in der sich auch die Nyota Kindertagesstätte befindet – zählt zu den Gebieten mit den höchsten HIV-Raten des Landes. Unterernährung in Kombination mit HIV oder AIDS wird oftmals zu einem tödlichen Teufelskreis.

Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft

Um Hunger und Unterernährung ein Ende zu setzen, müssen Kleinbauern gezielter unterstützt und gefördert werden. Zu diesem Schluß kommt nicht nur aktuelle Welthungerbericht der Vereinten Nationen, sondern auch der Weltagrarbericht der IAASTD der bereits  2008 in  Johannesburg vorgestellt wurde. Dieser besagt auch, dass die übliche industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz an Energie, Dünger und Pestiziden nicht mehr zeitgerecht ist. Vielmehr sind es die kleinbäuerlichen und ökologischen Anbaumethoden, die zur Verbesserung der Situation beitragen werden. Die Landwirtschaft in Kenia (wie auch in vielen anderen afrikanischen Ländern) zum Beispiel spielt eine tragende Rolle: 60% aller Arbeitsplätze finden sich in diesem Bereich (70% in diesem Bereich sind Frauen), 60% aller Exporterlöse des Landes stammen aus der Landwirtschaft sowie 26% des BIP gehen von ihr aus. Die Landwirtschaft stellt das wirtschaftliche Rückgrat Kenias dar, und sie basiert auf den Anstrengungen vieler tausender kenianischer Kleinbauern. Deshalb fördert Nyota e.V. im Kleinen auch diese Entwicklung im Rahmen der Projektarbeit in Kenia. Denn letztlich trägt der ökologische Anbau zur Stabilisierung des Lebensumfeldes ganzer Familien und Gemeinden bei – eine konkrete Hilfe zur Selbsthilfe. Letztes Jahr konnte Nyota dank vieler Spenden auf betterplace.org dem Waisenjungen Biko Collins den Besuch am Baraka College für nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in Molo ermöglichen.

Selbstversorgung durch Subsistenzwirtschaft

Nach der letzten großen Dürre und Hungersnot im Jahr 2009 begann Nyota erste Felder zur Versorgung der Tagesstätte und betreuten Kinder biologisch zu bewirtschaften. In regelmäßigen Community Trainings und Workshops werden seitdem Schüler und Kleinbauern aus der Region einbezogen und in nachhaltigen Anbaumethoden geschult, um die Erträge ihrer Subsistenzwirtschaft zu verbessern und ihre Familien somit ausreichend ernähren zu können. Nyota e.V. kooperiert dabei mit anderen lokalen Hilfsorganisationen wie z.B. der ICIPE oder dem BIOVISON Trust aus Nairobi. So wird traditionelles Wissen gepaart mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen an die Menschen zur Verbesserung ihrer Situation weitergegeben. Bei der Wahl der Kooperationspartner achten wir sehr genau darauf, dass tatsächlich die Interessen der betroffenen Menschen im Vordergrund stehen und keine neuen Abhängigkeiten geschaffen werden. Afrika ist für globale Saatgutunternehmen und Agrarkonzerne ein interessanter Markt, immer neue Hybridsorten versprechen höhere Erträge und resistentere Sorten – Stichwort GMO. Welche Folgen dies für Mensch und Natur hat, ist nicht abzusehen. So verlockend kurzfristige Ertragssteigerungen durch genmanipulierte Sorten auch erscheinen mögen, langfristig ist das Ausmaß des Schadens und dieser genetischen Umweltverschmutzung im natürlichen Kreislauf nur zu erahnen, geschweige denn rückgängig zu machen. Nicht selten geraten Kleinbauern durch den Zwang, immer neues Saatgut kaufen zu müssen (Beispiel Hybridsamen) in Abhängigkeiten und somit in einen Teufelskreis, der alles andere als förderlich und armutslindernd ist. Neben praktischen Anleitungen wird in den Workshops auch Aufklärung betrieben.


Den Begriff Superfoods ließt man in letzter Zeit meist in Zusammenhang mit westlichen Ernährungstrends, seltener jedoch vor dem Hintergrund einer möglichen Lösung bei der Reduzierung von Hunger und Unterernährung. Als Superfoods werden Lebensmittel bezeichnet, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel haben. Moringa Oleifera, eine Pflanze aus der Familie der Benussgewächse wartet mit Höchstwerten auf und ist ein solches Superfood. Ursprünglich aus der Region des Himalaja stammend, hat sich der schnell wachsende Baum mittlerweile weltweit verbreitet. Moringa Oleifera verfügt über eine unübertroffen hohe (bioverfügbare) Nährstoffdichte und wächst genau dort, wo Mangel- und Unterernährung herrschen. In vielen traditionellen Volksmedizinen wegen seiner gesundheitsfördernden Eigenschaften geschätzt, häufen sich nun auch in den westlichen Ländern die wissenschaftlichen Untersuchungen und Erkenntnisse über diese Pflanze. Auch bei Nyota wird dieser Baum seit letztem Jahr vermehrt im Organic Green Garden angepflanzt, seitdem ist er Bestandteil des täglichen Speiseplans in der Kindertagesstätte – wir berichteten bereits im Nyota Blog über den Anbau, die Beudeutung und Verwendung von Moringa zugunsten der Kinder in Kenia (Link zum Beitrag). Ein aktuelles Ziel von Nyota ist es, den Moringa Anbau zu erweitern und mehr Menschen aus den örtlichen Gemeinden auf diesen Baum aufmerksam zu machen und zum Anbau anzuregen.

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Grafik links in grün: Hier wächst Moringa Oleifera | Grafik rechts in rot: Länder und Regionen in denen Menschen unter Mangelernährung leiden


Nyota helfen zu helfen

Durch Vergabe von Lebensmittelhilfen in Notsituationen aber vor allem durch die Schulung und den Wissenstransfer unter den Kleinbauern für eine nachhaltige Landwirtschaft leistet Nyota einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Nahrungsmittelsicherheit in der Reion Lwala. Diese Arbeit können Sie mit einer Spende oder einer Förderpatenschaft unterstützen.

Spenden werden benötigt, um Materialien für die Trainingsgruppen der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern anzuschaffen und diese beim Aufbau der Subsistenzwirtschaft zu unterstützen: Werkzeuge, Gummistiefel, Kuhdung für die Felder, Setzlinge: Avocado, Papaya, Mango, Bananen, Moringa, Macadamia, Kaffee und weitere Sorten.

Nyota arbeitet weiter am Aus- und Aufbaus von eigenen Waldgärten.

* Der Welthungerbericht wird von den drei UN-Organisationen FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation), dem IFAD (Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung) und dem Welternährungsprogramm (WFP) herausgegeben. Dieser kann hier heruntergeladen werden. Quellen: Welthungerhilfe, UNESCO, tagesschau.de, treesforlife.org


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